Ein Plakat sagt mehr als tausend Worte

Wenn ein Werbeplakat für einen derart großen Aufschrei sorgt, dann hat es zumindest eines geschafft, was jedes Werbeplakat erreichen sollte: es hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Viele Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg und anderswo hätten sich aber bestimmt eine positivere Form der Aufmerksamkeit gewünscht. Schließlich hat es der Lehrberuf in der öffentlichen Wahrnehmung in den letzten Jahrzehnten nicht leicht gehabt. Viele Vorurteile haben sich so festgesetzt, dass selbst ein massiver Lehrermangel, zahlreiche Kündigungen oder Arbeitszeitstudien uvm. an diesem öffentlichen Bild kaum rütteln konnten. In so einer Zeit durch das bewusste Spielen mit diesen Ressentiments gerade für den gescholtenen Beruf werben zu wollen ist bestenfalls naiv.

Wie aber könnte man denn vielleicht besser für den Beruf und das Schulleben als einen spannenden Ort der Wissensvermittlung und zwischenmenschlichen Begegnung werben? Vielleicht, indem man diejenigen fragt, die dort jeden Tag arbeiten. Gern auch alle.

In der Schule ist die Antwort darauf, was die Schule zu einem so tollen Ort macht vielleicht am besten zu finden. Und warum sollen dabei nicht auch alle zu Wort kommen? Natürlich SchülerInnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer. Aber auch alle anderen Personen- und Berufsgruppen, die diese multiprofessionellen Teams bilden und zusammen das formen, was wir so gern eine Schulgemeinschaft nennen: HausmeisterInnen, SchulsozialarbeiterInnen, TechnikerInnen, Reinigungskräfte, pädagogische Fachkräfte, TrainerInnen und ÜbungsleiterInnen, Sprachförderkräfte, IntegrationshelferInnen, BibliothekarInnen, Erziehungsberechtigte, Förderer und alle, die ich noch vergessen habe.

Ihre Arbeit, ihr Engagement und ihr Zusammenhalt machen Schulen zu den wunderbaren Orten die sie sein können. Es wäre so ein tolles Unterrichtsprojekt mit der Kraft, Schulentwicklung zu fördern und Schulgemeinschaft zu leben, wenn im Unterricht oder in Projektphasen Schülerinnen und Schüler eine Kampagne entwickeln könnten, die allen diesen Menschen eine Stimme verleiht und weit nach außen sichtbar und hörbar macht, warum es toll ist, an einer Schule zu sein.


Und was wenn es das garnicht ist? Wenn wir im Verlauf eines solchen Projekts feststellen würden, dass es Bereiche oder Gruppen gibt, für die Schule gar kein so toller Ort ist, an dem man vielleicht nicht so gern ist und an dem man gar nicht so gern lernt? Dann wäre genau das ein großartiger Hebel, an dem Schulentwicklung ansetzen kann. Vielleicht sogar mit neuen Lehrkräften, die neugierig sind auf einen Ort der lernenden Gemeinschaft und die eine Vision teilen können, wie sich Schulen dahin entwickeln können. In jedem Fall wäre das nachhaltiger als polemische Plakate, die mit Vorurteilen spielen und genauso schnell in Vergessenheit geraten werden, wie sie nun (völlig zurecht) für Empörung sorgen.


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