Witze als Zugang zur Philosophie

Zur Philosophie gibt es zahlreiche Zugänge. Auch Witze können ein solcher Zugang sein. 

Witze können geeignet sein, da sie häufig eine Erwartung erzeugen und dann mit dieser brechen. Auch philosophische Positionen können einen solchen Effekt haben. Sie spielen mit unseren Erwartungen und Einstellungen. Manchmal werden diese bestätigt, manchmal verworfen. In besonderen Stunden, zur Wiederholung, in Vertretungsstunden oder vor den Ferien können Witze ein spannender Einstieg sein. 

Zwei Beispiele für Witze und passende Themen:

Beispiel 1:

Eine Schnecke wird von zwei Schildkröten überfallen und ausgeraubt. Auf der Polizeistation will ein Beamter den Tathergang aufnehmen und fragt: „Was ist denn genau passiert?“ Die Schnecke antwortet: „Ich weiß nicht. Es ging alles so schnell.“

Erklärung:

Über Jahrhunderte glaubten die Menschen, dass Zeit eine absolute und unveränderliche Größe ist. Der spätantike Theologe und Philosoph Augustinus stellte dies in Frage und wollte genau wissen, was Zeit ist:

„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es;

wenn ich es einem Fragenden erklären will, weiß ich es nicht.“

Augustinus kam zu dem Ergebnis, dass Zeit nur im Menschen existiert und vom Menschen abhängig ist.

Jahrhunderte später wurde Augustinus Frage auch von einem der berühmtesten Physiker untersucht: Albert Einstein fand heraus, dass Zeit nicht absolut, sondern relativ ist. Sie ist abhängig von anderen Größen, wie Geschwindigkeit und Gravitation, und verändert sich. Seine Entdeckung revolutionierte unser Weltbild und machte zahlreiche andere Entdeckungen möglich.

Übrigens war auch Einstein ein humorvoller Mensch. So erklärte er seine komplizierte Theorie für Laien:

“Eine Stunde mit einem hübschen Mädchen vergeht wie eine Minute, aber eine Minute auf einem heißen Ofen scheint eine Stunde zu dauern. Das ist Relativität.”

Beispiel 2:
Ein Mann wählt den Notruf und sagt aufgeregt: „Ich bin Jäger und habe im Wald eine männliche Leiche entdeckt. Was soll ich machen?“ Darauf antwortet der Mitarbeiter des Notrufes: „Stellen sie zunächst sicher, dass der Mann wirklich tot ist.“ Am anderen Ende der Leitung ist es zunächst ruhig, dann ertönt ein lauter Schuss. Der Jäger meldet sich wieder: „Alles klar, das wäre erledigt. Was soll ich als nächstes machen?“

Erklärung:

Dieser Witz soll verdeutlichen, weshalb es so wichtig ist eine exakte und genaue Sprache zu verwenden. Oftmals sind Ausdrücke oder Wörter doppeldeutig oder missverständlich. In der Philosophie beschäftigen sich mehrere Ansätze mit der exakten Verwendung und Bedeutung von Sprache: Logik, Sprachphilosophie und analytische Philosophie sollen hier als Beispiel genannt werden. Ihnen geht es vor allem darum zu überprüfen, ob bestimmte Probleme tatsächlich existieren oder diese nur durch sprachliche Ungenauigkeiten als Problem erscheinen. Die Logik fragt darüber hinaus, wie einzelne Aussagen zu schlüssigen Folgerungen führen können.

Bekannte Vertreter auf diesem Gebiet waren Ludwig Wittgenstein und Bertrand Russel.

Auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen wird darauf geachtet eine exakte Sprache zu verwenden, um Fehler oder Missverständnisse zu minimieren. Daher entstanden in zahlreichen Wissenschaften und Berufszweigen Fachausdrücke und Fachsprachen, die oft nur von Experten beherrscht werden.


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