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Lehrermangel: Was bedeutet er für Kinder und Schulen?

Redaktion · 7 Minuten Lesezeit · 17. September 2026

Kurz erklärt

Lehrermangel bedeutet, dass an vielen Schulen nicht genug ausgebildete Lehrkräfte für alle Klassen und Fächer zur Verfügung stehen. Das kann zu Unterrichtsausfall, größeren Klassen, fachfremdem Unterricht und einer höheren Belastung für Lehrkräfte führen. Für Kinder kann das weniger individuelle Förderung und weniger Verlässlichkeit im Schulalltag bedeuten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lehrermangel heißt: Es fehlen ausgebildete Lehrkräfte, besonders in bestimmten Regionen und Fächern.
  • Folgen sind Unterrichtsausfall, größere Klassen, mehr Vertretungsstunden und fachfremder Unterricht.
  • Kinder erleben dadurch oft weniger Kontinuität, weniger Förderung und mehr Unruhe im Schulalltag.
  • Schulen versuchen, mit Quereinsteiger:innen, Mehrarbeit und anderen Maßnahmen gegenzusteuern.
  • Die Situation betrifft Familien direkt – etwa durch unregelmäßigen Unterricht oder zusätzliche Belastungen.

Erklärung / Hintergrund

Was bedeutet Lehrermangel?

Lehrermangel beschreibt die Situation, dass es an Schulen nicht genügend ausgebildete Lehrkräfte gibt, um alle Klassen und Fächer wie vorgesehen zu unterrichten. Diese Situation tritt nicht überall gleich stark auf: Besonders betroffen sind Grundschulen, ländliche Regionen und bestimmte Fächer wie Mathematik, Naturwissenschaften oder Fremdsprachen. Auch Ballungsräume können betroffen sein, etwa wenn viele Lehrkräfte gleichzeitig in den Ruhestand gehen.

Wie kommt es zum Lehrermangel?

Der Lehrermangel entsteht aus verschiedenen Gründen:

  • Demografischer Wandel: Viele erfahrene Lehrkräfte gehen in den Ruhestand, während gleichzeitig geburtenstarke Jahrgänge von Kindern eingeschult werden.
  • Falsche Prognosen: Die Zahl der benötigten Lehrkräfte wird oft Jahre im Voraus geschätzt. Wenn sich die Schülerzahlen oder die Altersstruktur der Lehrkräfte anders entwickeln als geplant, entstehen Lücken.
  • Wenig Nachwuchs: Der Lehrerberuf ist in manchen Fächern und Regionen weniger attraktiv. Viele junge Menschen entscheiden sich für andere Berufe, oder brechen das Lehramtsstudium ab.
  • Regionale Unterschiede: Städte und beliebte Regionen finden leichter neue Lehrkräfte als ländliche oder strukturschwache Gebiete.
  • Fachkräftemangel: Besonders in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) gibt es zu wenig Bewerber:innen, weil diese auch außerhalb der Schule sehr gefragt sind.

Wie wird der Mangel sichtbar?

Lehrermangel zeigt sich im Schulalltag auf verschiedene Weise:

  • Unterricht fällt aus oder wird durch Vertretungen ersetzt.
  • Klassen werden zusammengelegt oder vergrößert.
  • Lehrkräfte unterrichten Fächer, in denen sie keine oder wenig Ausbildung haben (fachfremder Unterricht).
  • Schulleitungen müssen kurzfristig improvisieren, um den Stundenplan aufrechtzuerhalten.
  • Angebote wie Förderunterricht, Arbeitsgemeinschaften oder Ausflüge werden reduziert oder gestrichen.

Vertiefung: Auswirkungen im Schulalltag

Unterrichtsausfall und Vertretungen

Wenn eine Lehrkraft krank wird oder eine Stelle unbesetzt bleibt, ist oft keine qualifizierte Vertretung verfügbar. Dann fällt Unterricht aus oder wird durch andere Lehrkräfte übernommen, die eigentlich für andere Fächer oder Klassen zuständig sind. Das kann bedeuten, dass Kinder weniger Unterricht in wichtigen Fächern bekommen oder häufiger “Springstunden” haben, in denen sie Aufgaben selbstständig bearbeiten sollen.

Größere Klassen und weniger Förderung

Um alle Kinder zu betreuen, werden Klassen manchmal zusammengelegt oder vergrößert. Das macht es für Lehrkräfte schwieriger, auf einzelne Kinder einzugehen. Besonders Kinder, die mehr Unterstützung brauchen, bekommen dann oft weniger individuelle Förderung. Auch ruhige Kinder oder solche mit besonderen Interessen gehen im Trubel leichter unter.

Fachfremder Unterricht und Quereinsteiger:innen

Lehrkräfte unterrichten häufiger Fächer, für die sie nicht ausgebildet wurden. Das ist besonders in den sogenannten Mangelfächern üblich. Außerdem werden vermehrt Quereinsteiger:innen eingestellt – also Menschen, die ursprünglich einen anderen Beruf gelernt haben und dann eine Zusatzqualifikation für den Schuldienst erhalten. Diese bringen oft frische Perspektiven mit, müssen sich aber erst in den Schulalltag und die pädagogischen Aufgaben einarbeiten.

Belastung für Lehrkräfte und Schulleitungen

Der Lehrermangel führt dazu, dass die vorhandenen Lehrkräfte mehr Stunden übernehmen, öfter vertreten und weniger Zeit für Vorbereitung, Gespräche oder Fortbildungen haben. Viele berichten von Überlastung, Zeitdruck und Stress. Auch Schulleitungen müssen viel organisieren und improvisieren, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das kann die Stimmung im Kollegium und die Qualität des Unterrichts beeinträchtigen.

Auswirkungen auf Kinder und Familien

Für Kinder bedeutet Lehrermangel oft:

  • Weniger feste Bezugspersonen im Schulalltag
  • Häufig wechselnde Lehrkräfte
  • Mehr Selbstorganisation und weniger Anleitung, gerade in den unteren Klassen
  • Weniger Förderangebote und Projekte
  • Unruhe und Unsicherheit, wenn sich der Stundenplan oft ändert

Für Familien heißt das:

  • Mehr Abstimmung, wenn Unterricht ausfällt oder Betreuungszeiten sich verschieben
  • Unsicherheit, wie gut das eigene Kind im jeweiligen Fach gefördert wird
  • Manchmal die Notwendigkeit, selbst zu unterstützen oder Nachhilfe zu organisieren

Ein typisches Beispiel: In einer Grundschule in einer ländlichen Region fällt die Klassenlehrerin für mehrere Wochen aus. Es gibt keine ausgebildete Vertretung, also übernehmen verschiedene Lehrkräfte einzelne Stunden. Die Kinder haben in dieser Zeit keinen festen Ansprechpartner und müssen sich immer wieder auf neue Personen einstellen. Förderstunden für Kinder mit Lernschwierigkeiten entfallen, weil dafür niemand zur Verfügung steht.

Was bedeutet das für Familien und Schulen?

Für Familien

Eltern müssen mit mehr Unwägbarkeiten im Schulalltag rechnen. Das kann bedeuten, dass kurzfristig Betreuung organisiert werden muss oder dass Unsicherheit entsteht, wie gut das eigene Kind in bestimmten Fächern vorankommt. Viele Eltern berichten, dass sie sich mehr Austausch mit der Schule wünschen, um zu erfahren, wie ihr Kind trotz des Mangels gefördert werden kann.

Für Kinder

Kinder brauchen Verlässlichkeit und feste Beziehungen, um gut lernen zu können. Häufige Lehrerwechsel, größere Klassen oder Unterrichtsausfall können gerade für jüngere Kinder belastend sein. Manche Kinder kommen damit gut zurecht, andere reagieren mit Unruhe, Frust oder Rückzug. Besonders betroffen sind oft Kinder, die ohnehin mehr Unterstützung brauchen – etwa bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, beim Spracherwerb oder bei sozialen Problemen.

Für Schulen

Schulen stehen unter Druck, den Unterrichtsbetrieb aufrechtzuerhalten und trotzdem die Qualität zu sichern. Sie müssen kreativ werden, um Lücken zu schließen – etwa durch Team-Teaching, digitale Angebote oder Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Gleichzeitig bleibt weniger Zeit für Schulentwicklung, Projekte oder Innovationen.

Für Lehrkräfte

Lehrkräfte arbeiten oft am Limit. Sie übernehmen zusätzliche Stunden, vertreten Kolleg:innen, bereiten Unterricht für mehrere Fächer vor und müssen auf unterschiedliche Klassen eingehen. Das erhöht das Risiko für Überlastung und macht es schwieriger, jedem Kind gerecht zu werden.

Maßnahmen gegen den Lehrermangel

Um den Lehrermangel abzumildern, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen:

  • Einstellung von Quereinsteiger:innen: Menschen mit Hochschulabschluss in anderen Fächern werden für den Schuldienst qualifiziert.
  • Verbeamtung und bessere Arbeitsbedingungen: In manchen Bundesländern wird die Verbeamtung wieder eingeführt oder ausgebaut, um den Beruf attraktiver zu machen.
  • Mehr Studienplätze fürs Lehramt: Hochschulen bauen das Angebot für Lehramtsstudierende aus.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Teilzeit, Jobsharing oder flexible Stundenkontingente sollen Beruf und Familie besser vereinbar machen.
  • Regionale Anreize: In Regionen mit besonders großem Mangel gibt es Zusatzleistungen oder Unterstützung bei Umzug und Wohnungssuche.

Diese Maßnahmen wirken unterschiedlich schnell und sind nicht überall gleich erfolgreich. Viele brauchen Zeit, bis sie sich im Schulalltag bemerkbar machen.

Was bedeutet Lehrermangel langfristig?

Langfristig kann Lehrermangel dazu führen, dass die Qualität der schulischen Bildung leidet. Wenn Unterricht häufiger ausfällt oder fachfremd erteilt wird, können Lernlücken entstehen. Besonders betroffen sind Kinder aus Familien, die weniger Möglichkeiten haben, selbst auszugleichen – etwa durch Nachhilfe oder Unterstützung zu Hause. Das kann dazu beitragen, dass sich Bildungsungleichheiten verstärken.

Gleichzeitig kann der Mangel aber auch dazu führen, dass Schulen neue Wege gehen: Teamarbeit, digitale Angebote oder Kooperationen mit externen Fachleuten werden wichtiger. Manche Schulen entwickeln kreative Lösungen, um trotz knapper Ressourcen gute Lernbedingungen zu schaffen.

Was können Familien und Schulen tun?

  • Im Gespräch bleiben: Eltern sollten den Kontakt zur Schule suchen, um zu erfahren, wie der Unterricht organisiert ist und wie ihr Kind individuell unterstützt werden kann.
  • Offenheit für Veränderungen: Wenn neue Lehrkräfte, Quereinsteiger:innen oder digitale Angebote eingesetzt werden, kann Offenheit helfen, die Situation gemeinsam zu gestalten.
  • Gemeinsame Lösungen suchen: Elternvertretungen, Fördervereine oder Initiativen können helfen, zusätzliche Angebote zu organisieren – etwa Hausaufgabenbetreuung oder Projekte mit außerschulischen Partnern.
  • Belastungen ernst nehmen: Wenn Kinder oder Eltern unter der Situation leiden, ist es wichtig, Unterstützung zu suchen – etwa bei Beratungsstellen oder dem schulpsychologischen Dienst.

Häufige Fragen

Wie verbreitet ist der Lehrermangel in Deutschland?

Lehrermangel gibt es in fast allen Bundesländern, aber unterschiedlich stark. Besonders betroffen sind Grundschulen, ländliche Regionen und bestimmte Fächer. Die genaue Zahl der offenen Stellen schwankt und wird regelmäßig von der Kultusministerkonferenz und den Bildungsberichten erfasst.

Was sind Quereinsteiger:innen im Schuldienst?

Quereinsteiger:innen sind Personen, die ursprünglich einen anderen Beruf gelernt haben und dann eine Zusatzqualifikation für das Lehramt machen. Sie werden vor allem in Mangelfächern eingesetzt und bringen oft Praxiserfahrung aus anderen Bereichen mit.

Wie wirkt sich Lehrermangel auf die Unterrichtsqualität aus?

Wenn Unterricht ausfällt, fachfremd erteilt wird oder Klassen sehr groß sind, kann die Qualität leiden. Besonders individuelle Förderung und Projekte kommen oft zu kurz. Manche Schulen können das durch Teamarbeit oder digitale Angebote teilweise ausgleichen.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind vom Lehrermangel betroffen ist?

Eltern können das Gespräch mit Lehrkräften und Schulleitung suchen, sich in Elternvertretungen engagieren und bei Bedarf außerschulische Unterstützung organisieren. Wichtig ist, Belastungen ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Wird der Lehrermangel in Zukunft besser oder schlechter?

Die Prognosen gehen davon aus, dass der Lehrermangel in den nächsten Jahren in vielen Regionen bestehen bleibt oder sich sogar verschärft, weil viele Lehrkräfte in den Ruhestand gehen. Maßnahmen wie mehr Studienplätze und Quereinsteiger:innen können helfen, aber der Wandel braucht Zeit.

Über diesen Beitrag

Autor:in
Redaktion
Veröffentlicht
17. September 2026
Prüfung
Redaktionell recherchiert anhand der genannten Quellen.
Quellenbasis
  • Kultusministerkonferenz (KMK)
  • Nationaler Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“ (Autorengruppe Bildungsberichterstattung)
  • Statistisches Bundesamt (Destatis)
  • IQB-Bildungstrend (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)
  • Deutsches Schulportal

Wie wir arbeiten und Quellen auswählen: Redaktionelle Standards. Schulrecht ist Ländersache; Regelungen können sich je nach Bundesland unterscheiden.

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