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Legasthenie in der Schule: Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben verstehen

Redaktion · 7 Minuten Lesezeit · 10. August 2026

Kurz erklärt

Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung) bedeutet, dass Kinder trotz normaler Intelligenz große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Die Schule kann gezielte Fördermaßnahmen und einen Nachteilsausgleich anbieten, damit betroffene Kinder faire Chancen erhalten. Eine Diagnose erfolgt meist außerhalb der Schule, die konkrete Unterstützung hängt vom Bundesland und der Schule ab. Bei Unsicherheit oder auffälligen Schwierigkeiten ist es sinnvoll, frühzeitig Beratung und Unterstützung zu suchen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung, LRS) führt zu anhaltenden Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, unabhängig von der allgemeinen Intelligenz.
  • Die Schule kann durch gezielte Förderung und Nachteilsausgleich unterstützen – die Regelungen sind je nach Bundesland unterschiedlich.
  • Eine Diagnose erfolgt meist außerhalb der Schule, z. B. durch Kinder- und Jugendpsycholog:innen.
  • Frühzeitige Förderung, Verständnis und Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und Fachleuten sind entscheidend.
  • Bei starker Belastung oder zusätzlichen Problemen ist professionelle Unterstützung sinnvoll.

Worum geht es?

Viele Kinder haben beim Lesen und Schreiben zunächst Schwierigkeiten. Doch wenn diese Probleme ungewöhnlich stark und dauerhaft auftreten, kann eine Lese-Rechtschreib-Störung (LRS), oft auch Legasthenie genannt, dahinterstecken. Für betroffene Kinder bedeutet das: Sie machen trotz Übung immer wieder die gleichen Fehler, lesen langsam oder stockend, verstehen Texte schlechter oder haben Mühe, Gehörtes richtig zu verschriftlichen. Das kann den Schulalltag belasten – nicht nur in Deutsch, sondern auch in anderen Fächern, in denen Lesen oder Schreiben gefordert ist.

Für Eltern stellt sich schnell die Frage: Ist das noch normal, oder steckt mehr dahinter? Was können Schule und Familie tun, um das Kind zu unterstützen? Und wie sieht ein gerechter Umgang mit Legasthenie im Schulalltag aus?

Warum ist das so?

Was ist Legasthenie?

Legasthenie ist eine anerkannte Entwicklungsstörung, die das Erlernen von Lesen und/oder Rechtschreiben erheblich erschwert – trotz normaler oder sogar überdurchschnittlicher Intelligenz und ausreichender Lerngelegenheiten. Die Begriffe Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) und Legasthenie werden im Alltag oft synonym verwendet. Fachlich wird unterschieden:

  • LRS (Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten): Allgemeiner Begriff für erhebliche Probleme beim Lesen und Schreiben, unabhängig von der Ursache.
  • Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung): Medizinische Diagnose, wenn die Schwierigkeiten deutlich ausgeprägt und nicht durch äußere Umstände (z. B. fehlende Förderung, andere Erkrankungen) erklärbar sind.

Wie äußert sich Legasthenie?

Typische Anzeichen im Schulalltag:

  • Häufige Rechtschreibfehler (z. B. Buchstabenvertauschungen, Auslassen oder Hinzufügen von Buchstaben)
  • Sehr langsames, stockendes oder fehlerhaftes Lesen
  • Probleme beim Abschreiben oder Diktat
  • Schwierigkeiten, Gehörtes korrekt zu verschriftlichen
  • Auffällig große Diskrepanz zwischen mündlichen und schriftlichen Leistungen
  • Vermeidung von Lese- und Schreibaufgaben

Nicht jedes Kind mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat automatisch eine Legasthenie. Gerade in den ersten Schuljahren sind Fehler normal. Erst wenn die Probleme deutlich über das übliche Maß hinausgehen und länger bestehen, wird eine Diagnostik empfohlen.

Wie entsteht Legasthenie?

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt Hinweise auf eine genetische Veranlagung und auf Besonderheiten in der Verarbeitung von Sprache im Gehirn. Legasthenie ist keine Folge von mangelnder Intelligenz, fehlender Motivation oder schlechter Erziehung. Auch äußere Faktoren wie Unterrichtsqualität oder familiäre Unterstützung können die Ausprägung beeinflussen, sind aber nicht die Ursache.

Was kannst du tun?

1. Beobachte aufmerksam

Achte darauf, wie sich dein Kind beim Lesen und Schreiben verhält. Typische Fragen:

  • Hat es ungewöhnlich viele Rechtschreibfehler, auch bei bekannten Wörtern?
  • Liest es deutlich langsamer oder stockender als Gleichaltrige?
  • Ist die mündliche Ausdrucksfähigkeit viel besser als die schriftliche?
  • Vermeidet es Lese- und Schreibaufgaben oder klagt über Bauchweh, wenn solche Aufgaben anstehen?

Einzelne Fehler oder Unsicherheiten sind normal – besonders in den ersten beiden Schuljahren. Wenn die Schwierigkeiten aber andauern oder sich verstärken, lohnt sich ein genauerer Blick.

2. Suche das Gespräch mit der Lehrkraft

Lehrkräfte kennen typische Entwicklungsverläufe und können einschätzen, ob die Probleme deines Kindes im Rahmen liegen. Sprich offen an, was dir auffällt. Frage nach, wie dein Kind im Vergleich zur Klasse steht und welche Beobachtungen die Lehrkraft gemacht hat. Gemeinsam könnt ihr überlegen, ob zusätzliche Förderung sinnvoll ist oder ob eine Diagnostik empfohlen wird.

3. Diagnostik einleiten (bei Bedarf)

Eine fundierte Diagnose erfolgt meist außerhalb der Schule. Ansprechpartner:innen sind zum Beispiel:

  • Kinder- und Jugendärzt:innen
  • Schulpsychologische Beratungsstellen
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen
  • Spezialisierte Lerntherapeut:innen

Hier werden standardisierte Tests durchgeführt, die das Lese- und Rechtschreibvermögen im Vergleich zu Gleichaltrigen messen. Auch Begleitfaktoren wie Konzentrationsvermögen, Intelligenz und emotionale Belastung werden berücksichtigt.

Eine Diagnose ist wichtig, weil sie die Grundlage für gezielte Förderung und mögliche schulische Nachteilsausgleiche bildet.

4. Förderung und Unterstützung im Schulalltag

Sobald feststeht, dass eine Lese-Rechtschreib-Störung vorliegt, können verschiedene Maßnahmen helfen:

Individuelle Förderung

  • Förderunterricht in kleinen Gruppen oder Einzelförderung
  • Spezielle LRS-Kurse (innerhalb oder außerhalb der Schule)
  • Lerntherapie bei spezialisierten Fachkräften (z. B. integrative Lerntherapie)
  • Zusätzliche Übungsangebote für Zuhause, abgestimmt auf die Bedürfnisse des Kindes

Nachteilsausgleich

Kinder mit diagnostizierter Legasthenie haben – je nach Bundesland – Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Das bedeutet: Die Schule gleicht die durch die Störung entstehenden Nachteile so aus, dass das Kind seine Leistungen unter fairen Bedingungen zeigen kann. Typische Maßnahmen sind:

  • Verlängerte Arbeitszeit bei Klassenarbeiten und Tests
  • Reduzierte Anforderungen bei der Rechtschreibung (z. B. keine oder geringere Gewichtung der Rechtschreibfehler)
  • Nutzung von Hilfsmitteln (z. B. Computer mit Rechtschreibprüfung)
  • Mündliche statt schriftlicher Leistungsnachweise in bestimmten Fällen

Der Nachteilsausgleich ist keine “Bevorzugung”, sondern sorgt dafür, dass die Benotung nicht allein die Schwäche beim Lesen und Schreiben widerspiegelt, sondern das tatsächliche Wissen und Können des Kindes.

Offene Kommunikation und Verständnis

Kinder mit Legasthenie erleben den Schulalltag oft als besonders anstrengend. Sie sind nicht “faul” oder “unaufmerksam”, sondern müssen für Lese- und Schreibaufgaben viel mehr Energie aufwenden als andere. Wertschätzung, Ermutigung und das Vermeiden von Beschämung sind wichtig. In der Klasse kann es helfen, offen über das Thema zu sprechen – natürlich nur, wenn das Kind damit einverstanden ist.

Zusammenarbeit mit außerschulischen Fachkräften

Lerntherapeut:innen, Logopäd:innen oder Psycholog:innen können gezielte Unterstützung bieten. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Schule, Eltern und Fachkräften erhöht die Wirksamkeit der Förderung.

5. Zuhause unterstützen – aber ohne Druck

Eltern können viel tun, um ihr Kind zu stärken:

  • Gemeinsames Lesen – ohne Leistungsdruck, z. B. abwechselnd vorlesen
  • Spiele mit Buchstaben und Wörtern, um Freude am Umgang mit Sprache zu fördern
  • Lob für Anstrengung und kleine Fortschritte, nicht nur für fehlerfreie Ergebnisse
  • Pausen einplanen, um Überforderung zu vermeiden
  • Interesse an den Stärken des Kindes zeigen (z. B. in Musik, Sport, Kunst)

Vermeide ständiges Korrigieren oder Vergleiche mit anderen Kindern. Wichtig ist, dass dein Kind spürt: Es ist wertvoll und wird unterstützt, unabhängig von den Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

Was die Forschung sagt

Die Wissenschaft bestätigt, dass Legasthenie/LRS keine “Faulheit” oder Folge schlechter Erziehung ist. Es handelt sich um eine neurobiologische Besonderheit, die das Lesen- und Schreibenlernen erschwert. Frühzeitige, gezielte Förderung kann den Lernfortschritt deutlich verbessern. Nachteilsausgleiche sind aus Sicht der Forschung sinnvoll, um Benachteiligungen auszugleichen und das Selbstwertgefühl zu stärken. Die Wirksamkeit von Lerntherapien ist gut belegt, wenn sie individuell angepasst sind und regelmäßig stattfinden.

Was in deinem Bundesland gilt

Die Regelungen zum Nachteilsausgleich und zur Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreib-Störung sind in den Schulgesetzen und Verwaltungsvorschriften der einzelnen Bundesländer festgelegt. Das betrifft unter anderem:

  • Voraussetzungen für die Anerkennung einer LRS/Legasthenie
  • Umfang und Art des Nachteilsausgleichs (z. B. Verlängerung der Arbeitszeit, Bewertung von Rechtschreibung)
  • Verfahren zur Antragstellung und Beteiligung der Eltern

Eltern können sich an die Klassenlehrkraft, die Schulleitung oder den schulpsychologischen Dienst wenden, um zu erfahren, welche Regelungen an der eigenen Schule gelten. Informationen finden sich auch auf den Seiten der Schulministerien der Bundesländer.

Stand: September 2026 – Regelungen können sich je nach Bundesland unterscheiden.

Wann Unterstützung sinnvoll ist

Nicht jede Unsicherheit beim Lesen und Schreiben ist behandlungsbedürftig. Unterstützung ist besonders dann sinnvoll,

  • wenn die Schwierigkeiten über längere Zeit deutlich stärker sind als bei Gleichaltrigen,
  • wenn das Kind unter der Situation leidet (z. B. Angst, Schulunlust, Rückzug),
  • wenn das Selbstwertgefühl leidet oder es zu Konflikten in der Familie kommt,
  • wenn zusätzliche Auffälligkeiten auftreten (z. B. Konzentrationsprobleme, emotionale Belastung).

In solchen Fällen ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ansprechpartner:innen können sein:

  • Kinder- und Jugendärzt:innen
  • Schulpsychologische Beratungsstellen
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen
  • Beratungsstellen für Eltern und Familien

Diese Stellen können klären, ob eine Lese-Rechtschreib-Störung vorliegt und welche Unterstützung sinnvoll ist.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob mein Kind Legasthenie hat?

Typische Hinweise sind anhaltende, ausgeprägte Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, die sich auch durch Üben nicht bessern. Eine sichere Diagnose kann aber nur durch Fachleute gestellt werden.

Ist Legasthenie heilbar?

Legasthenie bleibt meist ein Leben lang bestehen, aber die Schwierigkeiten lassen sich durch gezielte Förderung und Unterstützung deutlich verringern. Viele Betroffene entwickeln erfolgreiche Strategien.

Muss die Schule mein Kind fördern?

Schulen sind verpflichtet, Kinder mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben zu unterstützen. Art und Umfang der Förderung hängen vom Bundesland und den schulischen Möglichkeiten ab.

Was ist ein Nachteilsausgleich?

Nachteilsausgleich bedeutet, dass die Schule Maßnahmen ergreift, um Nachteile durch die Lese-Rechtschreib-Störung auszugleichen – zum Beispiel durch mehr Zeit bei Arbeiten oder weniger Gewichtung der Rechtschreibung.

Können Kinder mit Legasthenie einen normalen Schulabschluss machen?

Ja, mit passender Förderung und Unterstützung können auch Kinder mit Legasthenie alle Schulabschlüsse erreichen. Die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben bedeuten nicht, dass sie weniger intelligent oder leistungsfähig sind.

Über diesen Beitrag

Autor:in
Redaktion
Veröffentlicht
10. August 2026
Prüfung
Redaktionell recherchiert anhand der genannten Quellen.
Quellenbasis
  • Leitlinien der AWMF zu Entwicklungsstörungen und ADHS
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP)
  • Schulgesetze der 16 Bundesländer
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Wie wir arbeiten und Quellen auswählen: Redaktionelle Standards. Schulrecht ist Ländersache; Regelungen können sich je nach Bundesland unterscheiden.

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